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Epilepsie

Gesundheit

Jeder Tierhalter erschrickt, wenn er vom TA die Diagnose erhält, dass sein Tier an Epilepsie leidet. Meist wird Epilepsie mit Tod verbunden. Das muss aber nicht sein.


Unser  ist ein Epilepsie-Hund. Auch ich war niedergeschmettert, weil ich dachte, den jungen Hund zu verlieren zu müssen. Was den Menschen aber vorwiegend Angst einflösst, ist das Nichtwissen. Ich möchte deshalb versuchen, die Epilepsie etwas verständlicher zu machen.

Ich möchte verhindern, dass auch Sie einen heftigen Anfall erleben müssen, ohne zu wissen, worum es geht. Ich hatte keine Ahnung, was Epilepsie überhaupt bedeutet, weil ich Sämi zusammen mit Medikamenten erhielt und den Worten, er hat Epilepsie.
Da die Epilepsie bei allen Hunderassen vorkommt, sogar auch Katzen davon betroffen sind, möchte ich einfach allgemein über Epilepsie informieren.

Als ich die Diagnose von Sämi erhielt, suchte ich im Internet nach Informationen. Leider waren sie in der Zeit noch ziemlich spärlich zu finden. Studien waren für mich als Laie teilweise absolut unverständlich. Trotzdem habe ich viel interessantes Material zusammengetragen. Es hat mir geholfen, die Krankheit zu verstehen und Sämi trotz seiner Krankheit ein „normales“ Leben führen zu lassen.


Was genau ist Epilepsie?


Die Epilepsie, in der Umgangssprache auch „Fallsucht“ oder „Gewitter im Hirn“ genannt, ist ein Anfallsleiden. Es können kleine Blackouts sein mit nachträglicher Desorientierung oder aber unkontrollierte Muskelkrämpfe mit Kot- und Urinabsatz, Umfallen oder gar Ohnmacht, zittern am ganzen Körper, speicheln und Schaumbildung am Mund, erweiterte Pupillen.
Im Gehirn entsteht eine elektrische „Überladung“, ähnlich, wie ein Kurzschluss. Durch die erhöhte Erregbarkeit im zentralen Nervensystem wird die Krampfschwelle heruntergesetzt. Die Folge davon sind motorische Überreaktionen, die das Tier nicht mehr kontrollieren kann. Das Tier ist dem Anfall hilflos ausgeliefert.
Man darf nie vergessen, dass bei einem Epilepsieanfall auch die Herzmuskulatur verkrampft wird, wie Hals- und Rückenmuskulatur. Bei mehreren, heftigen Anfällen kann es passieren, dass das Herz einfach keine Kraft mehr hat und aufhört zu schlagen. Auch kann, mangels Durchblutung des Gehirns, eine Atemlähmung einsetzen. Bei jedem Anfall besteht die Gefahr des Erstickens.

Deshalb ist es wichtig, dass jede Epilepsie, schon nur Verdacht auf Epilepsie, zur Abklärung sofort dem TA vorgestellt wird und eine medikamentöse Behandlung abgesprochen wird. Befragen Sie den Arzt, wie Sie bei einem Anfall richtig vorgehen. Lassen Sie es sich gegebenenfalls auch von ihm vorführen.

Primäre Epilepsie
Hier handelt sich um die vererbte, bzw. angeborene Epilepsie. Sie kann schon im Welpenalter auftreten. Meist wird sie bei Tieren zwischen dem 1. und 3. Altersjahr diagnostiziert.
Diese Art der Epilepsie weist keine Veränderung im Gehirn auf. Sie kann nicht behandelt werden. Jedoch können durch Einsatz von Antiepileptika (z. B.Barbiturate, Valium etc.) die Anzahl und Heftigkeit der Anfälle gut eingedämmt werden.
Ein regelmässiges Vorstellen beim TA (mind. 1x pro Jahr) ist unabdingbar. Ev. müssen auch die Medikamente von Zeit zu Zeit frisch dosiert werden.

Sekundäre Epilepsie
Hier handelt es sich um eine erworbene Epilepsie. Bei der sekundären Epilepsie lässt sich eine Veränderung im Gehirn erfassen. Eine erworbene Epilepsie kann auftreten nach einem Unfall, als Begleiterscheinung von einem Tumor, nach einer Verletzung, einer Entzündung oder nach einem Trauma/Schock. Bei der sekundären Epilepsie wird, wenn bekannt, die grundlegende Krankheit behandelt.
Bei den Anfällen unterscheiden wir zwischen:

Grand Mal
Hier zeigt sich beim Hund ein heftiges Zittern der gesamten Skelettmuskulatur. Es treten Bewusstseinsstörungen oder kompletter Bewusstseinsverlust auf. Studien haben ergeben, dass der Hund in dieser Phase des Anfalles von seiner Umwelt nichts mitkriegt.
Hier ist auch Vorsicht geboten, seinen Hund anzufassen. Er kann sie unbewusst, aber aus einer Reflexbewegung beissen. Der Anfall kann einige Sekunden dauern, bis zu einigen Minuten, je nach Intensität des Anfalles. Einige Hunde erholen sich sehr schnell von solchen Anfällen, andere brauchen ein paar Stunden, bis sie komplett zur Ruhe kommen und sich wieder orientieren können.

Petit Mal
Hier sind nur bestimmte Muskelgruppen betroffen. Ein Symptom kann unkoordiniertes Gehen sein, Kau-, Kopf- oder Beinbewegungen, die plötzlich auftreten und sich hintereinander in kurzen Abständen wiederholen. Der Hund hat zusätzlich Angstzustände, teilweise auch Verhaltensveränderungen, kann bis zu Agressivität gehen. Auch bei einem Petit Mal ist dem Hund meist nicht bewusst, was mit ihm geschieht.


Hat ihr Hund einen Anfall, sind besondere Regeln zu beachten:


- Entfernen Sie sofort andere Rudelmitglieder aus dem Raum. Grad andere Hunde verstehen nicht, was hier geschieht, könnten allenfalls angreifen oder durch das kranke Tier unbewusst angegriffen werden

- Fassen sie ihren Hund während eines Anfalles nie an, im Notfall mit Handschuhen oder einem um die Hand gewickelten Tuch

- Versuchen Sie ihren Hund in einem sicheren Raum festzumachen, wo er sich nicht verletzen kann. Verschliessen Sie Türen und sichern Sie Treppenabgänge. Da sich Ihr Hund während eines Anfalles nicht wehren kann, können grad Treppen eine Todesgefahr für Ihren Liebling sein.

- Achten Sie darauf, dass Speichel und ev. Erbrochenes abfliessen kann. Nicht, dass der Hund ersticken kann. Sie können versuchen, ihn auf die Seite zu drehen

- Bleiben Sie bei Ihrem Tier, in Sicherheitsabstand und reden Sie ruhig mit ihm. Ich bin der Überzeugung, dass die Stimme eine beruhigende Wirkung auf das Tier ausüben kann

- Versuchen Sie bitte keine Notfallzäpfchen einzufügen, wenn Sie alleine sind. Sie sind der Kraft, die hier wütet, alleine nicht gewachsen

Durch richtige Medikamentendosierung, ev. Einstellung auf neue Medikamente, kann ihr Liebling viele, schöne Jahre bei Ihnen verbringen. Setzen Sie das Tier nicht bewusst übermässigen Stresssituationen aus. Gönnen Sie sich öfter einen ruhigen Abend, wo Sie sich zu Ihrem Hund hinlegen und ihn durch sanfte Massagen beruhigen und die Muskulatur entkrampfen.


Beobachten Sie Ihr Tier genau. Nur so können Sie plötzliche Veränderungen feststellen und ev. durch Gabe von Notfalltropfen, ev. Ablenkung das Tier beruhigen, bevor der Anfall Überhand nimmt.

Symptome vor einem Anfall können sein: Verkriechen wollen, verängstigt sein, apathisch, nicht mehr ansprechbar sein, nervöses Hin- und Herlaufen, versuchen, in Sie hinein zu kriechen, übermässiges Hächeln oder Speichelfluss, desorientiertes Verhalten, "Fliegenschnappen".

Zur Info am Rand: Sämi wird seit Jahren mit Aphenylbarbit 100 (Humanmedizin) behandelt.
Er wird jetzt bald 10 Jahre alt und ist zurzeit auf einer Dosierung von 6 Tabletten pro Tag. Es geht ihm gut und er hat keine Einschränkung. Sein Höchstalter wurde mal auf 4 Jahre diagnostiziert. Wobei ich sagen muss, Sämi ist ein Kämpfer!
Ich hoffe, Ihnen mit meinen Angaben ein bisschen geholfen zu haben. Wir alle wünschen Ihnen und Ihrem Liebling alles Gute und ein gesundes, langes Leben.

Ich möchte noch ein paar Links ergänzen, die ich im Internet gefunden habe und die mir sehr weitergeholfen haben:
http://epilepsie-beim-hund.de/
http://www.linktreuhand.ch/epilepsie/index.htm
http://www.kleintiermedizin.ch/hund/epileps/epileps3.htm
http://www.kleintiermedizin.ch/hund/epileps/index.html
Epilepsie beim Berner Sennenhund - Eine Erbkrankheit? / Forschungsreportage


 
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